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Name: Philip Marlowe

Beruf: Privatdetektiv

Erzählzeit: 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts

Schöpfer: Raymond Chandler

Dem Klischee des Autors billiger Krimis in noch billigeren Heftserien entsprach Chandler nie. Ein Mann mit englischer Erziehung und ausgezeichneten Kenntnissen der klassischen Literatur war er, zu der er seine Romane nicht im Traum hätte zählen wollen. Aber sie gehören dazu; und mit Philip Marlowe hat Chandler einen Prototyp des Jahrhunderts geschaffen: den desillusionierten Zyniker, dessen Zynismus eine Mischung aus Enttäuschung und Liebe ist.

In den 40er Jahren hat Marlowe ein Gesicht bekommen: die markanten Züge Humphrey Bogarts, doch die Filme der sogenannten "Schwarzen Serie" sind, bei aller Qualität, etwas anderes als die Romane, und wer beide vergleicht, versteht schon Chandlers Abneigung gegenüber Hollywood, das ihm selbst als Drehbuchautor Lohn und Brot gegeben hat.

Die Suche nach dem Täter ist stets Nebensache. Viel wichtiger ist die Art und Weise, wie Marlowe die Welt und ihre Insassen betrachtet. Sehr nüchtern und ohne Umschweife, selten gerührt, aber oft mit Verständnis für Menschen und ihre Schicksale. Marlowe kommt nicht als die personifizierte Nemesis. Er rächt nicht; er stellt fest. Er bringt vielleicht etwas Ordnung in diese Welt, aber nur um den Preis, selbst das Opfer dieser Welt zu sein. Am Ende ist er nur noch ein Abklatsch seiner selbst. 1958 veröffentlicht Marlowe den letzten der Marlowe-Krimis, er trägt den bezeichnenden Titel "Play Back", was einen Blick zurück ebenso beinhaltet wie das beliebte Verfahren, die Lippen zu bewegen, ohne selbst einen Ton von sich zu geben. "Sie sind Marlowe, nicht?" fragt ein Klient. Und Marlowe antwortet: "Ich denke schon." Genaues weiß man eben nicht.

Leseempfehlung: Eigentlich kann man überall einsteigen. Seine Sternstunde erlebt Marlowe wohl in "Der lange Abschied", einem spannenden Stück Kriminalliteratur um Freundschaft, Liebe und Haß. Wie alle Chandlerkrimis hervorragend gearbeitet, mit präzisen Formulierungen, die einen Gegen- oder Zustand in wenigen Zeilen beschreiben. Autoren der sogenannten Hochliteratur hätten dafür mehrere Seiten gebraucht und wären doch als Verlierer über die Ziellinie gegangen. Chandler konnte es halt. Ein Klassiker. Weltliteratur.


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